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Pferdesteuer

Pferde - News 5. Februar 2013

Pferdesteuer satt

Die „Pferdesteuer“ ist ein Thema, das seit Jahren gärt. Doch nun brodelte es in Hessen erneut hoch und zwar mit erschreckenden Zahlen. Die Pferdesteuerbefürworter werden immer stärker – und das hat seine Gründe.

Wir Pferdebesitzer in Niedersachsen machen uns zurzeit wenig Sorgen, ist doch unsere Lobby doch ungleich stärker, als die der hessischen Reiter. 178.000 Pferde und Ponys sind im Niedersachsen gemeldet. 750 € pro Jahr wurden jüngst in hessischen Gemeinderäten als Pferdesteuersatz diskutiert. Auf Niedersachsens Vierbeiner umgesetzt ergäbe das eine Summe von 13.350.000 €, die sich über die chronisch gebeutelten Gemeindekassen ergießen könnte. Wie lange werden niedersächsische Gemeinden da wohl noch standhaft bleiben?

An und für sich ist das Thema ja nichts Neues, aber wir Reiter sollten uns mal fragen, warum die Befürworter der Pferdesteuer so zugenommen haben und warum sie plötzlich mit solcher Verve gegen uns vorgehen. Noch nie vorher war eine solche Summe im Gespräch. Die Befürworter der Pferdesteuer sind sich ihrer Sache im Ansehen der Öffentlichkeit offenbar sehr sicher. Sie führen regelmäßig den Vergleich zur Hundesteuer an.

Sind Pferde und Hunde vergleichbar?

Die Hundesteuer ist jedoch eine sogenannte Lenkungssteuer, deren Zweck es eben nicht ist, Geld – etwa für das Beseitigen von Hundekot auf Bordsteinen – zu beschaffen. Die Hundesteuer dient der Lenkung der Hundepopulation, diese soll durch die Steuer dezimiert werden. Die Verringerung der Pferdepopulation, die eine solche Steuer mit sich brächte, wäre ganz und gar nicht im Sinne des Staates, der den Reitsport ja in vielerlei Hinsicht fördert. Der Vergleich mit der Hundesteuer, die überdies weitaus niedriger liegt, scheint also eher vorgeschoben. So mancher Reiter – nicht nur in Hessen – hat zunehmend das Gefühl, dass die Menschen pferdefeindlicher geworden sind. Und das Gefühl trügt nicht.

Pferdefeindlichkeit steigt

Es gab Zeiten, da freuten sich Sonntagsspaziergänger, wenn sie einen Reiter trafen. Die mitspazierenden Kinder jubilierten, durften das Pferd vielleicht sogar mal streicheln. Heute sind Reiter nicht mehr so angesehen. Nachrichten von gedopten Pferden geistern durch die Gazetten und Fotos von zerrittenen Wegen, knöcheltiefem Matsch und Bergen von Pferdeäpfeln finden reihenweise in die Lokalzeitungen. Mancherorts werden Spaziergänger regelrecht zu Pferdehassern, sie verbarrikadieren Waldwege mit aufgesammelten Ästen und spannen sogar in Reiterhöhe Seile von Baum zu Baum. Heute muss man sich als Reiter oft vor Spaziergängern rechtfertigen, dafür dass man den Waldweg benutzt. Da nutzt es auch nicht mehr viel, wenn man die verärgerten Fußgänger auf die Rechte der Reiter, postuliert im niedersächsischen Waldgesetz, aufmerksam macht, der Ausritt ist ein Stück weit verdorben. Was hat sich geändert?

Vor vierzig Jahren hatte man den Reitsport erfolgreich zum „Volkssport“ deklariert. Reitunterricht war so erschwinglich geworden, dass es keineswegs nur der gut verdienenden Oberschicht vorbehalten blieb, die Sprösslinge im Sattel schulen zu lassen. Bis heute ist der Preis für eine Reitstunde zwar kaum gestiegen, doch das Vermögen der Deutschen verteilt sich ganz anders als damals, als selbst die untere Mittelschicht noch ein recht komfortables Auskommen hatte.

Nach der Asienkrise der ausgehenden 90ger Jahren platzte die Dotcom-Blase, ein Jahr später nährten die Anschlägen des 11. September 2001 die weltumspannende Rezession und 2008 zog die Lehmannpleite eine weitere Rezession nach sich. Heute stellt sich die Güterverteilung ganz anders dar, die Schere zwischen Arm und Reich klafft. Die Zunahme von Armut bringt immer sozialen Neid mit sich. Verständlich, denn wenn Menschen in der ständigen Sorge um die Finanzierung ihres Alltags leben, dann freuen sie sich ebenso wenig über einen Reiter, wie über einen Rolls Royce. Beides sind für sie untrügliche Zeichen von Reichtum und Verschwendung. Solche Nichtreiter werden zu sehr engagierten Befürwortern einer Pferdesteuer, vor allem dort, wo Reiter gehäuft auftreten.

Probleme durch „Hot-Spots“

Wie kommt zu solchen „Hot-Spots“? Solche Reiterdörfer, in denen es ebenso viele Vier- wie Zweibeiner gibt, entstanden zu Beginn des Pferdebooms in den ausgehenden 70ger Jahren mit einem ersten Reitstall. Wir alle kennen das Reitstallleben nur zu gut. Neben der Geselligkeit bringt es auch immer ein emsiges Ränkespiel, bestehend aus zuweilen bösartigem Tratsch und kleinlichen Machspielchen mit sich. Irgendwann kippt die Stimmung, mit der Folge, dass eine Gruppe von Reitern auszieht und eine neue Reitgemeinschaft gründet – oft nur zwei Höfe weiter. Dem folgt alsbald der Bau einer zweiten Halle und ein paar Jahre später noch eine dritte. Die Landwirte im Dorf schmeißen entzückt ihre Kühe raus und stellten gewinnbringendere Pensionspferde in ihre Ställe. Die sich so entwickelnden Pferdedörfer bieten Reitern eine überaus attraktive Infrastruktur, die immer mehr Pferdebesitzer anlockt. Doch damit werden auch die Probleme mit Nichtreitern geboren, die in solchen Gegenden oft nur noch auf dem Grabenrand entlang spazieren können und deren Wochenendruhe durch Lehrgänge und Turniere getrübt wird. In sofern erscheint die angedachte Höhe des Pferdesteuersatzes fast wie ein Racheakt. – Ein Racheakt mit desaströsen Auswirkungen auf die Pferdebranche, die Gemeinderatsmitgliedern aber oft gar nicht bekannt sind.

750 € Pferdesteuer würgen den Wirtschaftsmotor Pferd ab

Die IPSOS-Studie klärte in beeindruckenden Zahlen darüber auf, welch einen immensen Wirtschaftsfaktor Deutschlands Pferde darstellen, doch diese Studie gelangt selten zu den Stammtischrunden, an denen die Idee zur Schröpfung der reichen Reiter geboren wird. Die geplante Pferdesteuer würde ohne Frage zu empfindlichen Einbußen führen. In der Reitsport- und Pferdebranche werden derzeit rund 5 Milliarden Euro jährlich umgesetzt. Von der Masse der Reiter stellen Jugendliche etwa zwei Drittel, 80 % aller Reiter verstehen sich als Freizeitreiter. Genau diese Gruppe würde die Pferdesteuer hart treffen, denn die berüchtigte Schere zwischen arm und reich hat auch die Reiter in zwei Lager geteilt. Viele der Freizeitreiter können es sich heute nicht mehr leisten, ihr Pferd in einem Reitstall unterzubringen. Sie bringen ihren vierbeinigen Liebling im eigenen Stall gerade mal so über die Runden. Die Pferdesteuer würde viele von ihnen zur Aufgabe der Pferde zwingen. Weiterhin aufgegeben werden müssten all die „Oldies“ und „Zweitpferde“, die nicht mehr voll belastet werden können. Aber gerade diese Pferde sind es, die Jugendlichen zur Pflege und zum Lernen überlassen werden. Solche Pferde müssten vermutlich reihenweise geschlachtet werden. Und wehe dem, der seinen vierbeinigen Liebling auf dem Papier als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ deklariert hat -.

Reitschulen, landwirtschaftliche Betriebe, Pensionsställe, Handwerksbetriebe im Bereich der Reitsportzubehörherstellung, Reitsportgeschäfte, Dienst leistende Reitausbilder, Pflegepersonal, Tierärzte, Hufschmiede, Züchter und auch Printmedien, die Bücher und Zeitschriften rund um das Thema Pferd publizieren, sie alle wären betroffen, wenn eine Pferdesteuer die Zahl der Pferde dezimiert. Es gibt viele gute Argumente gegen die Pferdesteuer, aber sie werden kaum ins Feld geführt, und wenn, dann nicht dort, wo es nötig tut.

Das Vereinssterben schwächt die Reiter

Der Kampf gegen die Pferdesteuer wird deswegen höchst uneffizient geführt, weil wir Reiter uns immer mehr zu einer Gruppe von Einzelkämpfern entwickelt haben. Wir bestehen aus Springreitern, Dressurreitern, Geländereitern, Westernreitern – Reiter, die die Ausrüstung dieser Saison tragen und Reiter, die mit der Jacke aus der vorletzten Saison herumlaufen. All diese Reitergruppierungen sind sich oft nicht grün. Wir vereinzeln uns und wollen uns auch nicht mehr sozial engagieren, wie das Vereinssterben deutlich zeigt. Nun bekommen wir möglicherweise die Quittung dafür, – denn als eine ungeordnete Horde von reitenden Einzelkämpfern wird es uns auf Dauer nicht gelingen, die flächendeckende Einführung einer Pferdesteuer aufzuhalten. Das geht nur, wenn sich alle einbringen, auch die, die die Pferdesteuer bezahlen könnten.

Es ist auch an der Zeit, der steigenden Pferdefeindlichkeit entgegen zuwirken und das Ansehen der Reiter wieder zu ändern, weg vom elitär-adligen „Ritter“ hin zu zum Pferdeliebhaber, der sich engagiert und der das Gespräch zu Nichtreitern sowie zu den Gemeinden sucht.

Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/11486/

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Eine Antwort zu “Pferdesteuer”

  1. Vereint euch im „Aktionsbündnis gegen die Pferdesteuer“ (www.facebook.com/groups/216900851698645/ oderwww.aktionsbuendnis-pferdesteuer.de/) !

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